Was ist Scheidungsarmut?
Scheidungsarmut bezeichnet die finanzielle Notlage, in die viele Menschen nach einer Trennung oder Scheidung geraten können. Das betrifft zum Beispiel Frauen, die während der Ehe weniger oder gar kein eigenes Einkommen hatten – sei es durch Teilzeitarbeit, Kindererziehung oder Hausarbeit. Aber auch unterhaltsverpflichtete Ehepartner sind durch hohe Unterhaltsverpflichtungen betroffen oder Ehepartner, die im Rahmen des Zugewinnausgleichs Vermögensverluste erlitten haben.
Diese Form der Armut zeigt sich nicht nur in niedrigeren Einkommen, sondern auch in einem erhöhten Risiko für Altersarmut, etwa dadurch, dass man nicht in der Lage ist, Rücklagen zu bilden und somit auch fürs Alter vorzusorgen. Daraus entsteht oft die Notwendigkeit, Sozialleistungen zu beantragen.
Scheidungsarmut ist ein reales Risiko, das viele Menschen betrifft – insbesondere dann, wenn sie in der Ehe auf finanzielle Eigenständigkeit verzichtet haben. Wenn Sie davon betroffen sind, wenden Sie sich gern an eine*n unserer Kontaktstellenleiter*innen, die sie in ihrer individuellen Situation unterstützen können.
Warum entsteht Scheidungsarmut?
Scheidungsarmut hat mehrere Ursachen, die meist im Zusammenspiel wirken:
- Ungleich verteilte Erwerbsbiografien: In vielen Ehen übernimmt nur ein Elternteil die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinder. Dadurch wird seine Erwerbstätigkeit unterbrochen oder er arbeitet in Teilzeit, was langfristig zu geringeren Rentenansprüchen und geringem eigenem Einkommen führt.
- Wegfall gemeinsamer Ressourcen: Nach der Trennung müssen zwei Haushalte finanziert werden – mit demselben Einkommen, das vorher einen Haushalt trug.
- Unterhaltszahlungen: Wer zur Zahlung von Kindesunterhalt oder Ehegattenunterhalt verpflichtet ist, kann dadurch stark finanziell belastet werden, während der empfangende Teil unter Umständen nicht genug zum Leben erhält.
- Wohnungsknappheit und hohe Mietpreise: Besonders dann, wenn man wegen der Kinderbetreuung gar nicht oder nur in Teilzeit arbeiten kann, ist es schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden, was zusätzliche finanzielle Engpässe verursacht.
- Unzureichende Absicherung: Viele Ehepaare versäumen es, sich rechtzeitig um faire vertragliche Regelungen zu kümmern (z. B. Ehevertrag, private Rentenvorsorge, gemeinsames Eigentum mit klaren Vereinbarungen).
Was kann ich als Betroffene/r gegen Scheidungsarmut unternehmen?
Auch wenn eine Scheidung in vielerlei Hinsicht belastend ist, gibt es konkrete Schritte, um sich finanziell zu stabilisieren:
- Beratung in Anspruch nehmen: Frühzeitige Unterstützung durch Schuldnerberatung, Sozialdienste, Verbände wie den ISUV oder einen Fachanwalt für Familienrecht kann helfen, Rechte zu sichern und mögliche Ansprüche geltend zu machen (z. B. Unterhalt, Versorgungsausgleich, Sozialleistungen).
- Ansprüche prüfen lassen: Neben dem Kindesunterhalt und Ehegattenunterhalt gibt es häufig auch Anspruch auf Wohngeld, Bürgergeld, Betreuungsunterhalt oder Unterhaltsvorschuss – je nach Situation.
- Eigene Erwerbstätigkeit ausbauen: Der (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben ist oft schwierig, aber wichtig. Auch Weiterbildung oder Umschulung kann ein Weg aus der Abhängigkeit sein.
- Finanzielle Unabhängigkeit fördern – langfristig: Wer sich schon während der Ehe mit eigener Altersvorsorge, Berufstätigkeit oder Weiterbildung absichert, verringert das Risiko, später in Armut zu geraten.
- Gerechte Aufteilung aushandeln: Nicht immer ist der gesetzliche Zugewinnausgleich ausreichend oder gerecht. Eine einvernehmliche Regelung, gegebenenfalls mit notariellem Vertrag, kann Klarheit schaffen und Streit verhindern.
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