ISUV Reihe: Was ist eigentlich…?
Trennung und Scheidung stellen vieles infrage – Gefühle, Entscheidungen und oft auch das eigene Selbstverständnis. In dieser Serie greifen wir Begriffe aus Psychologie und Coaching auf, die helfen können, sich selbst und andere besser zu verstehen. Wir erklären, was hinter diesen Begriffen steckt, wie sie im Alltag wirken und warum sie gerade in herausfordernden Lebensphasen wichtig sind. Kurz, verständlich und ohne Fachchinesisch – mit einem Gedanken zum Mitnehmen.
Jede Ausgabe widmet sich einem Begriff, der Orientierung geben kann: für den Umgang mit sich selbst, mit anderen und mit schwierigen Situationen.
Was ist eigentlich Glück?
In der Psychologie unterscheidet man zwei Arten von Glück:
- Hedonistisches Glück (vom griechischen „hedone“ = Lust)
Das ist das schnelle Glück:
ein gutes Essen, ein nettes Erlebnis, Lob, Verliebtsein, ein schöner Abend. Es fühlt sich sofort gut an – und vergeht oft auch schnell wieder. Im Körper wird dabei vor allem das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Es werden Botenstoffe wie Dopamin und Endorphine ausgeschüttet. Sie sorgen für ein kurzes Hochgefühl und Motivation auf „mehr davon“.
Deshalb fühlt sich dieses Glück intensiv an – lässt aber auch rasch nach. Unser Gehirn gewöhnt sich schnell daran und verlangt bald nach dem nächsten „Kick“.
- Eudaimonistisches Glück (von „eu daimon“ = „ein gutes Leben führen“)
Das ist das Werte- oder Sinn-Glück:
Es entsteht, wenn wir etwas tun, das zu unseren inneren Werten passt – zum Beispiel Verantwortung übernehmen, etwas bewältigen, uns neu ausrichten oder für etwas einstehen. Dieses Glück ist weniger aufregend, aber deutlich stabiler und nachhaltiger. Oft kostet es Mühe – fühlt sich dafür tiefer richtig an. Im Körper spielen hier eher Serotonin und Oxytocin eine Rolle – Hormone, die mit innerer Zufriedenheit, Sicherheit und Verbundenheit verbunden sind.
Dieses Glück entsteht langsamer, wirkt dafür aber länger.
Fun Fact:
Studien zeigen, dass Menschen mehr Lebenszufriedenheit aus Phasen berichten, in denen sie Schwierigkeiten bewältigt haben, als aus Zeiten reiner Bequemlichkeit.
Gedanke zum Mitnehmen:
Glück ist nicht nur ein schönes Gefühl – sondern auch das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
In der nächsten Ausgabe: Empathie
Was bedeutet Empathie eigentlich wirklich? Ist es Mitfühlen – oder Mitleiden? Und warum kann zu viel Empathie manchmal sogar problematisch sein?
Wir schauen uns an, wo Empathie hilft, wo sie Grenzen braucht und warum sie bei Konflikten oft missverstanden wird.
Anna Freitag
Über die Autorin:
Anna Freitag ist Mediatorin und Rechtsanwältin sowie Mitglied des Bundesvorstands des ISUV und engagiert sich für konstruktive Kommunikation und einvernehmliche Lösungen im Sinne der Kinder.