Familiengerichte am Limit – warum frühe Konfliktlösung jetzt entscheidend ist
Längere Verfahren, mehr Konflikte, weniger Ressourcen – warum es neue Wege braucht.
Von Monika Roth, stv. Bundesvorsitzende und Schriftführerin

Die Familiengerichte stehen unter enormem Druck: Immer mehr Verfahren zu Sorge, Umgang, Unterhalt oder Gewaltschutz treffen auf zu wenig Personal und unzureichende Strukturen. Die Folge sind lange Verfahren – mit teils gravierenden Auswirkungen auf Eltern und Kinder.
Doch das Ziel darf nicht sein, die Arbeit der Gerichte zu begrenzen, sondern sie durch gute Vorarbeit zu entlasten. Wenn Konflikte frühzeitig – mit Unterstützung durch Beratung, Coaching oder Mediation – gelöst werden, profitieren alle: Die Eltern finden tragfähige Vereinbarungen, die Kinder werden geschont, und die Justiz kann sich auf die wirklich unlösbaren Fälle konzentrieren.
Hier leistet ISUV einen wichtigen Beitrag: Wir helfen, Konflikte bereits im Vorfeld aufzufangen und einvernehmliche Lösungen zu fördern – im Sinne des Kindeswohls.
Gleichzeitig bleibt die Politik gefordert, die strukturellen Defizite bei Gerichten und Jugendämtern zu beheben. Diese Reformen brauchen Zeit – umso wichtiger ist es, dass bis dahin alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung übernehmen und neue Wege der Konfliktbewältigung gehen.
Strukturelle Überlastung – eine Herausforderung für den Rechtsschutz
Die Landesjustizverwaltungen melden seit Jahren steigende Fallzahlen bei gleichzeitigem Fachkräftemangel – sowohl in der Justiz als auch in der sozialpädagogischen Begleitung.
Das bringt das System ins Wanken: Einerseits schreibt das Gesetz in Kindschaftssachen eine besondere Beschleunigung vor (§ 155 FamFG), andererseits fehlt schlicht die Zeit, diesem Anspruch gerecht zu werden.
Doch gerade im Familienrecht gilt: Zeit ist entscheidend. Verzögerte Verfahren gefährden das Kindeswohl, verschärfen Konflikte und führen zu langfristigen Belastungen für alle Beteiligten.
Gesetzliches Leitbild: Einvernehmliche Konfliktlösung
Das Familienverfahrensrecht setzt auf Verständigung statt Streit. Das FamFG baut auf dem Grundsatz auf, dass einvernehmliche Lösungen Vorrang haben.
Nach den §§ 36, 52, 156 FamFG sowie § 278 Abs. 6 ZPO analog sind Gerichte und Beteiligte verpflichtet, auf Einigungen hinzuwirken. Ergänzend unterstützen Beratungs- und Mediationsangebote nach § 135 FamFG eine nachhaltige Verständigung.
Einvernehmliche Regelungen bieten klare Vorteile:
- Effizienz:Sie entlasten die Gerichte, da Anhörungen und Beweisaufnahmen entfallen.
- Passgenauigkeit:Eltern finden Lösungen, die besser zu ihrer individuellen Situation passen.
- Nachhaltigkeit:Vereinbarungen werden besser akzeptiert und seltener gebrochen.
- Kindeswohl:Weniger Streit – mehr Stabilität für Kinder.
So leisten einvernehmliche Lösungen einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Kindeswohlmaßstabs (§ 1697a BGB).
Verantwortung der Professionen
Für Anwältinnen und Anwälte heißt das: Weg vom klassischen, konfliktverschärfenden Parteiprozess – hin zur kooperativen Lösungsbegleitung. Das entspricht auch der Berufsordnung (§ 1 BRAO), die ausdrücklich zur Konfliktvermeidung verpflichtet.
Auch die Gerichte können mehr tun: Durch frühzeitige Hinweise, strukturierte Vergleichsgespräche und eine aktive Verfahrensleitung lassen sich Einigungen fördern. Häufig scheitert das allerdings daran, dass Richterinnen und Richter für diese Methoden bislang kaum geschult sind. Auch hier gilt: Die Politik muss nachbessern!
Fazit: Kooperation statt Konfrontation
Die Justiz allein kann die wachsende Zahl familiärer Konflikte nicht auffangen. Denn familiäre Konflikte sind auch soziale Konflikte – und diese lassen sich juristisch oft nur begrenzt lösen.
Wo Gesprächsbereitschaft und Verantwortung vorhanden sind, sollte die einvernehmliche Einigung Vorrang haben. Sie schützt das Kindeswohl, entlastet die Gerichte und führt zu tragfähigeren Lösungen.
Hier kann ISUV eine zentrale Rolle spielen: Wir informieren, beraten und begleiten Betroffene – mit rechtlicher Beratung, Coaching und Mediation. So unterstützen wir Eltern dabei, Konflikte außergerichtlich und konstruktiv zu lösen – im Sinne des Kindeswohls und einer friedlicheren Trennungskultur.
Sie brauchen Unterstützung?
Trennung und Scheidung sind oft belastend – aber Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.
ISUV bietet kompetente rechtliche und soziale Beratung, vermittelt Mediationsangebote und hilft, tragfähige Lösungen zu finden – bevor Konflikte eskalieren.
👉 Schreiben Sie uns einfach an hilfe@isuv.de – wir sind für Sie da.