ISUV-Mitgliederbefragung: Ihre Stimme zählt – und sie spricht deutlich
Ihre Stimme zählt – und sie spricht deutlich
Ergebnisse unserer Mitgliederbefragung 2026 zum Unterhalts- und Familienrecht
Liebe Mitglieder,
wir möchten uns von Herzen bei allen bedanken, die an unserer Mitgliederbefragung 2026 teilgenommen haben. 582 Mitglieder haben sich die Zeit genommen, ihre Erfahrungen und Einschätzungen zu teilen – das entspricht einem Rücklauf von rund 11 bis 12 Prozent und ist ein beeindruckendes Zeichen dafür, wie wichtig Ihnen dieses Thema ist.
Ihre Antworten helfen uns, mit konkreten Zahlen und belegten Erfahrungen für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen einzutreten. Die Ergebnisse sind eindeutig.
Das Unterhaltsrecht gilt als ungerecht – bei Müttern wie bei Vätern
73,9 Prozent der Befragten halten die geltende Berechnungslogik des Unterhaltsrechts für ungerecht. Besonders bemerkenswert: Auch mehr als die Hälfte der Mütter (55,2 %) teilt diese Einschätzung. Bei Vätern liegt der Wert bei 86,3 Prozent.
Zählt man diejenigen hinzu, die das System als grundsätzlich ungerecht, aber aus praktischen Gründen schwer änderbar einschätzen, sehen insgesamt 82,5 Prozent der Befragten Reformbedarf.
Klarer Wunsch: Umgangs- und Unterhaltsrecht gemeinsam reformieren
83,0 Prozent der Befragten sprechen sich für eine gemeinsame Reform von Umgangs- und Unterhaltsrecht aus. Eine isolierte Reform nur eines Rechtsgebiets findet keine Mehrheit. Auch bei getrennter Auswertung nach Geschlecht zeigt sich überwiegende Zustimmung: 92,9 Prozent der Väter und 68,2 Prozent der Mütter.
Bevorzugte Reformlösungen: Zwei Modelle mit breiter Unterstützung
45,4 Prozent der Befragten bevorzugen eine gleitende Unterhaltsanpassung, die bereits ab einem Betreuungsanteil von 30 Prozent greift – statt wie bisher erst ab der starren 50-Prozent-Schwelle. 34,1 Prozent befürworten ein Modell, bei dem beide Eltern gemeinsam für die Kindeskosten einzahlen.
Das Modell des gemeinsamen Topfes ist dabei besonders bemerkenswert: Es ist die einzige Reformoption ohne nennenswertes Geschlechtergefälle – Väter (34,8 %) und Mütter (33,1 %) stimmen nahezu identisch zu.
Finanzielle Realität: Konkrete Belastungen auf beiden Seiten
49,2 Prozent der Befragten müssen ihren Lebensstandard infolge der Trennungsfolgen spürbar einschränken. 47,4 Prozent benötigen eine größere oder teurere Wohnung – weil beide Elternteile kindgerechten Wohnraum vorhalten müssen, dieser Aufwand im geltenden Recht jedoch kaum berücksichtigt wird. Dieser Befund zeigt das größte Übereinstimmungsmaß beider Geschlechter in der gesamten Befragung (Väter 48,6 %, Mütter 45,5 %).
Informationslücke: Ein Viertel erfährt zu spät von der 50-Prozent-Schwelle
Rund 25 Prozent beider Geschlechter haben erst nach ihrer Trennungsentscheidung von der unterhaltsrechtlich maßgeblichen 50-Prozent-Schwelle erfahren – dem Betreuungsanteil, ab dem sich die Berechnungslogik systematisch ändert. Dieser Befund verweist auf einen strukturellen Beratungsbedarf in der frühen Trennungsphase, der unabhängig von jeder Reformdiskussion adressiert werden kann.
Was Sie uns darüber hinaus mitgeteilt haben
Neben den geschlossenen Fragen haben 353 Mitglieder offene Antwortfelder genutzt, um ihre persönlichen Erfahrungen zu schildern. Diese qualitativen Rückmeldungen ergänzen die Zahlen und geben ihnen ein Gesicht – sie sind keine statistisch messbaren Mehrheiten, aber wertvolle Hinweise auf Themen, die uns in unserer politischen Arbeit begleiten werden:
- Forderung nach gesetzlicher Verankerung des Wechselmodells als gleichwertige Option
- Wunsch nach verpflichtender Mediation als Vorstufe vor familiengerichtlichen Entscheidungen
- Kritik an der Düsseldorfer Tabelle und Forderung nach gesetzlichem Rang
- Steuerliche Gerechtigkeit: Steuerklasse 2 für Unterhaltspflichtige, anteiliger Kinderfreibetrag
- Anerkennung von Care-Arbeit und Mental Load als eigenständige Belastungsdimension
Was wir damit machen
Die Ergebnisse dieser Befragung werden wir in den kommenden Wochen und Monaten gezielt einsetzen: in Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, in unserer Pressearbeit und in der öffentlichen Kommunikation. Zahlen, die aus Ihrer Mitte kommen und Ihre gelebte Realität widerspiegeln, haben Gewicht – und dieses Gewicht werden wir nutzen.
Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme, Ihre Zeit und Ihr Vertrauen. Sie machen ISUV stärker.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr ISUV-Bundesvorstand